Thermografie-Spaziergang in Wallernhausen

Gut angenommen wurde der Thermografie-Spaziergang am vergangenen Dienstagabend in Wallernhausen. Zahlreiche Hauseigentümer nutzten die Möglichkeit, ihr Gebäude einmal durch die Wärmebildkamera zu inspizieren und mögliche Schwachstellen aufzudecken.

 

Bevor es aber nach draußen ging, führten Energieberater Marco Lachmann, Regionalpartner der Hessischen Energiespar-Aktion in Nidda, und Maik Rößler, Experte für Energie- und Heiztechnik bei der Oberhessische Gasversorgung GmbH, die Teilnehmer in das Thema ein. Lachmann hob in seinem Vortrag die wichtigsten Handlungsbereiche einer energetischen Sanierung hervor: Dämmung von Dach oder oberster Geschossdecke, der Außenwände und der Kellerdecke, den Fenster- und Türentausch als auch die Optimierung der Heiztechnik oder den Kesseltausch mit Einbau einer modernen Brennwerttechnik oder Einsatz biogener Brennstoffe. „Bei größeren Maßnahmen lohnt es sich immer, einen Fachmann einzubinden“, empfiehlt der Energieberater aus Büdingen, der einmal im Monat im Rahmen der vom hessischen Wirtschaftsministerium geförderten Energiespar-Aktion kostenlose Erstberatungen in der Stadtverwaltung anbietet (die nächsten Termine sind am 14.2. und 14.3.).

„Trotz aller Ähnlichkeiten: Jedes Gebäude ist einzeln zu betrachten. Zudem ist der richtige und saubere Anschluss von Dämmung oder Dampfsperren an angrenzende Bauteile entscheidend, um langfristig Bauschäden durch Tauwasser zu vermeiden“, gibt Lachmann zu bedenken. Die frühzeitige Einbindung eines Experten verspreche hier Abhilfe. Doch nicht nur bei technischen Details können Energieberater weiterhelfen. Auch bei Fragen der Wirtschaftlichkeit und der Finanzierung unter Einbezug  staatlicher Fördermittel stehen sie zur Seite. Neben zinsgünstigen Krediten inkl.  Tilgungszuschüssen gebe es auch reine Zuschüsse zur Gesamtinvestition. In einigen Fällen biete es sich zudem an, energetische Sanierungsmaßnahmen mit dem altersgerechten Umbau oder mit Maßnahmen zur Erhöhung der Einbruchsicherheit zu verbinden. Hier halte die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entsprechende Programme bereit, so Lachmann. Grundsätzlich gilt: Erst Planen, dann die Mittel beantragen und erst nach der Zusage mit der Umsetzung beginnen. Bereits abgeschlossene Maßnahmen seien von der Förderung grundsätzlich ausgeschlossen.  

Warum die Beschäftigung mit dem energetischen Zustand der eigenen vier Wände so wichtig ist, unterstrich Maik Rößler von der Oberhessen Gas in seiner Einführung zu Thermografie und Wärmebrücken mit eindrücklichen Zahlen: Im Schnitt verbrauche in Deutschland ein älteres Gebäude rund drei Viertel der von ihm benötigten Energie fürs Heizen, weitere 12 % für die Aufbereitung von Warmwasser (die Mobilität nicht eingerechnet). Für Licht werde hingegen nur 2 % veranschlagt, mit allen weiteren elektrischen Anwendungen im Haus vom Kühlen, Waschen übers Saugen bis hin zu Fernsehen, Internet und Computer übersteigt der Anteil des Stroms nicht mehr als 15 %. Wer große Einsparpotenziale erschließen möchte, komme also um einen systematischen Check seines Gebäudes und der Heizung nicht umhin. Im weiteren Verlauf erfuhren die Teilnehmer, wo und warum Wärmebrücken im Gebäude entstehen. Neben der unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeit der Baustoffe und Bauteile, die für die materialbedingten Wärmebrücken verantwortlich ist, kommt der Geometrie des Raumes Bedeutung zu. So kühlen etwa im Innenbereich Ecken zwischen zwei Außenwänden stärker aus, da hier die Wärme an eine größere Oberfläche auf der Außenseite abgeben wird. Solche geometrischen Wärmebrücken lassen sich nie vollkommen vermeiden, könnten aber bei sachgemäßer Dämmung reduziert werden. Hinzu kommen noch konstruktive Wärmebrücken, die sich durch planerische Zwänge oder bauliche Notwendigkeiten ergeben. Beispiele hierfür sind etwa Rollladenkästen, der mit der Betondecke verbundene Balkon oder auch Bauteilwechsel wie Fensteranschlüsse.

Mit dem frisch erworbenen Wissen ging es im Anschluss mit der Wärmebildkamera auf zum Thermografie-Spaziergang. Vorneweg: Die ganz große Überraschung bzw. Wärmebrücke oder gar ein Bauschaden mit dringlichem Handlungsbedarf wurde bei den besuchten Häusern nicht identifiziert – sehr zur Erleichterung der Eigentümer. Wohl traten aber ein paar typische Schwachstellen zu Tage. Beispielsweise die in zahlreichen Altbauten bis in die 1970er Jahre beliebte Heizkörpernische unter den Fenstern. Dass dünne Wände die wertvolle Heizungswärme schneller nach außen abgeben, offenbart untrüglich das Wärmebild der Fassade. Wer seine Heizkörper erneuert oder wegen anderer Maßnahmen abhängt, sollte hier nach Möglichkeit die Nische zumauern oder zumindest für eine fachgerechte Innendämmung sorgen. Auch nach außen ungedämmte Betondecken bei Wohngebäuden, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977/78 errichtet wurden, erkennt man mit Hilfe des Wärmebildes häufig, da sie die Wärme besser leiten. Ebenso zahlreiche Rollladenkästen, die man bei Fenstertausch entweder nach außen verlegen oder zur Innenseite abdämmen sollte. Selbst wer Fenster- und Türen getauscht hat, sollte spätestens nach ein paar Jahren prüfen, ob alle Dichtungen rundherum noch schließend anliegen, lautet die Empfehlung der Experten mit Blick auf eine undichte Haustür. „Dazu reicht es, beim Schließen ein Blatt Papier einzuklemmen. Lässt sich das Blatt bei geschlossenem Zustand herausziehen, sollten Türen oder Fenster nachjustiert werden“, verrät Rößler einen einfachen Trick, den jeder selbst ausprobieren kann.

„Uns ging es als Stadt in erster Linie darum, Hauseigentümer für möglichen Schwachstellen zu sensibilisieren und Mittel und Wege zur Analyse wie die der Thermografie vorzustellen. An dieser Stelle auch nochmals vielen Dank an unsere Experten, ohne deren Unterstützung und Expertise der Abend so nicht hätte stattfinden können“, resümiert Klimaschutzmanager Peter Glasstetter. „Ich freue mich, dass die Teilnehmer der Veranstaltung nun zahlreiche Anstöße und Hinweise bekommen haben“ freut sich Niddas Bürgermeister Hans-Peter Seum, der die Aktionen für den Klimaschutz unterstützt. „Einige Maßnahmen, so haben uns die Eigentümer bereits im Vorfeld verraten, waren ohnehin schon in der Planung. Wenn nun weitere Folgen, haben wir ein Ziel erreicht“ so Seum. Wichtig sei auch, die vielfältigen Beratungsangebote bekannt zu machen. Auch wenn die Thermografie keine offensichtlichen Schwachstellen der Gebäudehülle offenbart habe, ermöglicht die systematische Analyse der Gebäudehülle und der Heiztechnik durch einen Experten oftmals, hohe Einsparpotenziale zu erschließen und Bauschäden bspw. durch Schimmel vorzubeugen.

 
 
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