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Stadt Nidda plant Vital- und Gesundheitszentrum in Bad Salzhausen und den Neubau eines Hallenbades in Nidda

Seit geraumer Zeit schon beschäftigt die Niddaer Kommunalpolitik das Bäderwesen und dabei insbesondere die Frage der Zukunft der Therme in Bad Salzhausen und des Neubaus eines Hallenbades. Immer wieder gab es Vorschläge und Diskussionen. Nun hat man sich über die Fraktionsgrenzen hinaus auf ein zukunftsfähiges, energetisch sinnvolles und attraktives Konzept geeinigt.

In mehreren Arbeitskreistreffen der Fraktionsvorsitzenden, des Bürgermeisters und Mitarbeitern der Verwaltung wurde ein Konzept erarbeitet, dass den Neubau eines Hallenbades am bisherigen Standort und den Erhalt der beiden Freibäder in Nidda und Wallernhausen vorsieht.

Wichtig war allen Beteiligten, dass das neue Hallenbad für alle öffentlich zugänglich sein soll, der Vereins- und Schulsport gewährleistet ist und die Technik, der Sanitärbereich sowie der neue Umkleide- und Eingangsbereich auch für das Freibad mit nutzbar sein soll. Außerdem soll es ein Bauwerk in Niedrigenergiebauweise werden, das an das im Quartierskonzept vorgesehene Nahwärmenetz angeschlossen wird.

Mit Blick auf den großen Sanierungsbedarf der in den 80iger Jahren gebauten Justus-von-Liebig-Therme in Bad Salzhausen und der sich abzeichnenden Energiekrise mit rasant steigenden Preiserhöhungen bestand ebenfalls großes Einvernehmen, das Bad bereits zum 30.09.2022 zu schließen. Mit Energiekosten von bisher mehr als 400.000 Euro jährlich werden für das kommende Jahr bereits Steigerungen bis zu 1 Mio Euro für Gas und Strom befürchtet. Da das Defizit des Bades schon seit Jahren mit bis zu 1 Mio Euro jährlich aus dem Haushalt der Stadt Nidda gedeckt werden musste, blieb bei dieser Entwicklung nun nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen.

Unter dem Eindruck dieser Energiekostenentwicklung und der demnächst zu erwartenden Eröffnung der Therme in Bad Nauheim wurde beschlossen, keine neue Therme in Bad Salzhausen in der bisherigen Größenordnung zu bauen. Die dafür zu erwartenden Kosten in Höhe von bis 50 Mio Euro stehen außerhalb jeder Realisierungsmöglichkeit.

Aus diesem Grund wurde vereinbart, das Gebäude komplett umzubauen und auf gleichem Fundament ein Vital- und Gesundheitszentrum entstehen zu lassen. Dabei soll die bestehende Sauna erhalten werden und das Thema Salz durch Lehrräume, Ausstellungsflächen, Salzkiste und Salzgrotte erlebbar gemacht werden. Zusätzlich soll aber auch die Sole Bad Salzhausens durch Therapiebecken oder Sole- und Schlammbäder Eingang in das Nutzungskonzept finden.

Das Ganze soll durch eine attraktive Gastronomie, die idealerweise vom Kurpark aus erreichbar ist und auch den Saunaaußenbereich mit erschließt, abgerundet werden.

Mit diesem Konzept werden ganz wesentliche Punkte des Masterplans für Bad Salzhausen realisiert und es besteht mit Blick auf die Landesgartenschau 2027 die Hoffnung erhebliche Fördermittel generieren zu können. Für die Erarbeitung eines ersten Planes wurde ein bereits früher mit der Therme beschäftigtes Architekturbüro beauftragt. Die Bauausführung als Holzkonstruktion soll nicht nur die Kosten senken, auch der schwierigen Gründungssituation Rechnung tragen und zu einer besonderen Attraktivität des Gebäudes beitragen.

Ob in dem neuen Gebäude auch therapeutische Angebote in der bisherigen Form integriert werden, ist noch nicht abschließend entschieden worden. Klar ist aber nach Gesprächen mit dem zuständigen Regierungspräsidium, dass eine Therapieabteilung in städtischer Verantwortung für die Beibehaltung des Bäderstatus nicht maßgeblich ist.

Inwieweit für eine Übergangszeit die derzeitige Gastronomie und die Ladengeschäfte im Galeriebereich offengehalten werden können, muss noch geprüft werden. Hier ist die Frage zu klären, ob z.B. getrennte Heizkreisläufe ohne großen finanziellen Aufwand geschaffen werden können.

Die Schließung der Justus-von-Liebig-Therme ist aber auch ein Beitrag zur Versorgungssicherheit aller Bürgerinnen und Bürger und ein starkes Signal in der aktuellen Energiekrise. Der Umbau des Bäderwesens ist so auch ein weiterer Schritt, alle wesentlichen Großverbraucher in kommunaler Verantwortung nach und nach klimaneutral zu stellen. Wir befinden uns nach der Ölkrise erstmalig in einer potentiell wirklich kritischen Situation, die aber dann bewältigt werden kann, wenn wir alle unseren Beitrag solidarisch dazu leisten. Die Stadt leistet damit einen großen Beitrag, auch wenn es jetzt weh tut.

Niddas Bürgermeister Thorsten Eberhard und den Fraktionsvorsitzenden war es gleichermaßen ein Anliegen, dass den teilweise langjährigen Mitarbeitern der Justus-von-Liebig-Therme attraktive Beschäftigungsalternativen innerhalb der Stadtverwaltung oder am Standort in Bad Salzhausen angeboten werden. Dazu wurden nicht nur Gespräche mit Vertretern der Kliniken vor Ort geführt. Auch die Personalvertretungen wurden beteiligt und in den nächsten Wochen werden nun individuelle Lösungen für alle Mitarbeiter erarbeitet.

In zahlreichen Gesprächen wurden neben den Mitarbeitern auch der Ortsbeirat und andere indirekt oder direkt Betroffene über die Planungen informiert.