Nidda baut - Eine Baustelle zeigt Gesicht: Folge 1

Christina Heckmann (Ordnungsamt/Verkehrsbehörde Stadt Nidda)

 

>> Video des Baustellenreporters

Frau Heckmann, obwohl Sie durch Ihre langjährige Tätigkeit im Rathaus der Stadt Nidda längst ein Gesicht dieser Stadt geworden sind, stammen Sie ursprünglich gar nicht von hier, sind eine „Ingeplackte“, wie man in diesen Breitengraden sagt, nicht wahr?

Heckmann:

Richtig. Aufgewachsen bin ich in Ludwigsau bei Bad Hersfeld.

Heute arbeiten Sie im Ordnungsamt, der Verkehrsbehörde der Stadt Nidda. Ich vermute jetzt einfach mal, dass dies nicht Ihr gezielter Berufswunsch als Jugendliche war…

Heckmann:

Auch das stimmt. Eigentlich wollte ich Goldschmiedin werden. Ich habe als Kind schon immer gerne gebastelt, genäht und auch erste kleine Schmucksachen selbst hergestellt. Für die Ausbildung zur Goldschmiedin hätte ich aber direkt nach der Schule, im Alter von 16 Jahren, von zu Hause weg nach Frankfurt gemusst. Das war meinen Eltern dann doch zu weit weg von Zuhause. Also habe ich dann in Bad Hersfeld eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten absolviert.  Im Anschluss daran habe ich mich dann nach einem Arbeitsplatz umgesehen und bin durch Bekannte und Freunde, die in Friedberg und Gießen studiert haben, auch auf die Region Oberhessen aufmerksam geworden. Schließlich fand ich eine Anstellung beim Forstamt Nidda. Seit 1989 lebe und arbeite ich nun hier.

Hatten Sie zu diesem Zeitpunkt in Nidda irgendwelche persönliche Anknüpfungspunkte oder betraten Sie völliges Neuland? Wie waren Ihre ersten Eindrücke hier?

Heckmann:

Nidda war völliges Neuland für mich, ich kannte hier niemanden. Von meiner Stelle im Forstamt war ich von Beginn an sehr angetan und fühlte mich am richtigen Platz. Ich war schon immer ein sehr naturverbundener Mensch, der es liebt, draußen in der Natur zu sein. Daher habe ich mich ganz bewusst für diese etwas ländlichere Region und gegen die Angebote aus Frankfurt entscheiden. Mit Nidda als Stadt, vor allem, was das Spektrum der Einkaufsmöglichkeiten anging, musste ich hingegen erst ein wenig warm werden. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich irgendwann in meiner Anfangszeitz kurzfristig mal einen Mittwochnachmittag freibekam und meine Kollegin mich fragte, was ich denn so vorhabe. Ich sagte ihr, dass ich vorhabe, in Nidda ein wenig shoppen zu gehen. Die Kollegin belächelte mich und tags darauf wusste ich auch, warum. Damals hatten mittwochs in Nidda keine Geschäfte auf, das kannte ich von Bad Hersfeld her nicht. Zum Glück hat sich diesbezüglich in Nidda viel verbessert. Auf der persönlichen Ebene hier Anschluss zu finden, sei es über den Beruf oder privat, hat wiederum völlig problemlos geklappt, so dass ich mich in Nidda recht schnell wohl fühlte. Immerhin hatte ich hier meine erste eigene Wohnung, ohne Aufsicht der Eltern, das war schon toll.

Sie haben sechs Jahre lang im Forstamt gearbeitet, ehe Sie ins Rathaus wechselten und dort im Vorzimmer von Bürgermeisterin Puttrich arbeiteten. Ein vermutlich deutlich weniger naturverbundener Job als zuvor…

Heckmann:

Das stimmt und ich hatte im Forstamt auch wirklich eine schöne Zeit. Ich habe aber gemerkt, dass ich ein Typ bin, der hin und wieder Veränderungen braucht und auch gerne mal eine neue, spannende Herausforderung sucht. Ich finde, solche Veränderungen halten den Geist frisch. Über 10 Jahre habe ich dort gearbeitet, ehe ich nach meiner Elternzeit und einer kurzen Phase im Bürgerservice dann 2012 hier im Ordnungsamt gelandet bin und die nächste Herausforderung in Angriff genommen habe.

Können Sie Ihre Tätigkeit in Ordnungsamt kurz umreißen?  

Heckmann:

Ich beschäftige mich vorrangig mit verkehrsrechtlichen Anordnungen und den sich daraus weiterführenden Arbeiten. Mein Arbeitsbereich erstreckt sich dabei nicht nur über die Niddaer Innenstadt sondern impliziert auch alle 18 Stadtteile. Damit verbunden sind auch viele Vor-Ort-Termine, mindestens einmal am Tag bin ich irgendwo draußen unterwegs…

Ah, daher auch die gelbe Warnweste über Ihrem Bürostuhl…

Heckmann:

Genau. Häufig dreht es sich um Baustellen aller Art, von städtischen Straßenbauarbeiten bis hin zu allen privaten Bauvorhaben, für die eine Straße (oder ein Teil davon) zeitweilig abgesperrt werden muss. Das fängt bei Gerüsten an Häusern an und geht bis hin zu den großen städtischen Bauvorhaben, wie zum Beispiel zuletzt im Burgring oder nun eben in der Innenstadt am Marktplatz, wobei hier der Wetterauskreis an anordnende Behörde fungiert und die Stadt Nidda beratend mit involviert ist. Aber auch bei allen Sonderaktionen, die den Verkehr in Nidda betreffen oder beeinflussen, bin ich involviert.  Das sind z.B. die Stadt- oder OCL-Läufe, Radrennen, Festumzüge oder andere Veranstaltungen. Ich muss Sorge dafür tragen, dass der Verkehr, aber auch das Parken, klar geregelt und für die Verkehrsteilnehmer nachvollziehbar beschildert ist. Im Grunde muss ich über jedes aufgestellte Schild in Nidda Bescheid wissen. Zudem diene ich als Kontaktperson für Hessen Mobil und den Wetterauskreis, wenn es um die Belange von  Bundes- und Landesstraßen in Nidda geht.

Jeder Berufstätige sehnt sich nach einem Mindestmaß an Wertschätzung für seine geleistete Arbeit. Wie steht es um Ihr Wertschätzungskonto?

Heckmann:

Ich denke, dass diejenigen, die ein wenig Einblick in meine und die Arbeit meiner Kollegen haben, diese auch wertschätzen. Wie das Außenstehende einschätzen, vermag ich nicht zu vermuten. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass so mancher den Umfang unserer Aufgaben und die damit verbundene Verantwortung  unterschätzt. Das ist aber ganz menschlich. Ein Defizit an Information ist immer ein guter Nährboden für mangelnde gegenseitige Wertschätzung. Der Mensch neigt nun mal dazu, zu denken, dass er es selbst am schwersten von allen hat. Ich persönlich empfinde im Kreis meiner Arbeitskollegen aber keinen Mangel an Wertschätzung.

Umfangreiche Bauarbeiten und Sperrungen an DER Durchgangstraße einer Stadt, das ist sicher auch für eine Verkehrsbehörde eine nicht alltägliche Herausforderung, oder?

Heckmann:

Auf jeden Fall. Wir beschäftigen uns auch schon seit vielen Monaten mit dem Thema. Eigentlich war es so, dass Hessen Mobil schon 2017 die Straßendecke der Ortsdurchfahrt erneuern wollte, was aufgrund des Stadtjubiläums auf 2018 verschoben wurde. Dafür konnte der Burgring früher in Angriff genommen werden. Nun nutzt die Stadt Nidda die Erneuerung der Straßendecke, um - „in einem Aufwasch“ - zuvor die alten Versorgungsrohre (Bringwasser, Abwasser) zu sanieren, was ohnehin fällig war.

Schon ein wenig nervös, dass es nun losgeht?

Heckmann:

Was heißt nervös? Klar, sieht man den nächsten Wochen mit gemischten Gefühlen entgegen und hofft, dass zunächst der Auftakt gelingt, ohne großes Verkehrschaos. Selbst bei optimaler Planung weiß ich aber, dass in den nächsten Monaten das eine oder andere Problem auf uns zukommen wird, das heute noch keiner erahnt. Diese Probleme gilt es dann im Team zu lösen. Auch gilt es eventuell Planungsfehler, die sich erst in der Praxis zeigen, schnellst möglich zu korrigieren. Wir sind ja alle nur Menschen, auch uns passieren Fehler.

Was macht diese Baustelle so besonders?

Heckmann:

Wenn eine so verkehrsträchtige Straße gesperrt wird, muss man natürlich vorrauschauend im Blick haben, wie sich dies auf die vielen, kleinen Nebenstraßen und Zuwege auswirkt. Insofern planen wir schon lange, wie wir den Verkehr sinnvoll und mit möglichst geringen Beeinträchtigungen umleiten. Dabei geht es sowohl um den „Fernverkehr“, vor allem aber auch um den alltäglich Stadtverkehr in Nidda, der vor allem die betrifft, die hier leben, arbeiten und pendeln. Selbstverständlich muss auch der private, aber auch der geschäftliche Anliegerverkehr geregelt sein.

Wenn sich der Verkehr staut, staut sich auch oft das Gemüt des Menschen. Erwarten Sie diesbezüglich in den nächsten Wochen vermehrt Unmut seitens der Bürgerinnen und Bürger?

Heckmann:

Nicht über die Maßen. Erfahrungsgemäß kann es in den ersten Tagen verkehrsmäßig etwas chaotisch werden, dann aber wird sich alles mehr und mehr einspielen. Jeder, der sich mit dieser Thematik ein wenig auseinandersetzt, weiß, dass die Baustelle unabdingbar ist und wir alle nun das Beste daraus machen müssen. Klar ist aber auch, dass wir es als Behörde nicht allen recht machen können. Nicht all den Autofahrern, Busfahrern, Fußgängern und Anliegern mit unterschiedlichen Bedürfnissen, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen. Unsere Aufgabe ist es aber, mit allen Mitteln zu versuchen, für möglichst viele Betroffene vertretbare Lösungen und Kompromisse zu finden und die Verkehrsbeeinträchtigungen in Grenzen zu halten.

Welchen Beitrag können die Niddaer Bürgerinnen und Bürger dazu leisten?

Heckmann:

Sie sollten vor allem in den ersten beiden Wochen ein wenig mehr Zeit und Geduld  im Gepäck haben, um mit dem Auto durch die Stadt zu kommen. Damit wäre nicht nur uns, sondern allen Beteiligten geholfen. Es gibt aber leider immer wieder Verkehrsteilnehmer, die Sperrungen ignorieren und erst einmal so weit fahren, wie es geht, um zu schauen, ob man nicht doch noch durchhuschen kann, was oft Chaos. verursacht. Noch ausdrücklicher als sonst möchte ich alle Niddaer bitten, in dieser Bauphase nicht ohne Rücksprache mit uns und entsprechender Genehmigung private Baumaßnahmen zu beginnen, die den Straßenverkehr (auch den auf kleineren Nebenstraßen) betreffen oder gar behindern.

Wenn man für ein Ordnungsamt arbeitet bleiben konfliktgeladene Kontakte zu Bürgerinnen und Bürgern nicht aus. Wie steht es diesbezüglich um ihr „dickes Fell“?

Heckmann:

Als ich im Ordnungsamt begann, war ich sicher noch etwas „weicher“ als heute. So ein dickes Fell kann man sich nicht von einem auf den anderen Tag zulegen, das muss mit der Zeit, mit den Erfahrungen, wachsen. So war es jedenfalls bei mir. Viele Konfliktsituation oder Beschwerden, kann ich ganz gut aushalten, vor allem, wenn ich das Gesetz, die Regel hinter mir weiß und damit argumentieren kann. Mit der Zeit wird man abgeklärter und weiß auch immer besser, wie man wen in bestimmten Situationen anzusprechen hat, sei es bei Parkplatzkonflikten oder Nachbarschaftsstreitereien. Hin und wieder kommt es aber auch zu verbalen Angriffen, die das Normalmaß überschreiten,  da brauche ich dann schon mal ein paar Tage, bis ich das verdaut habe. Vor allem, wenn ich mich völlig zu Unrecht angegangen fühle. Oder wenn ich merke, dass von den Konfliktparteien gar nicht wahrgenommen wird, dass ich in meiner Funktion doch nur vermitteln, helfen bzw. Recht herstellen möchte. Stattdessen bekomme ich falsch adressierten Frust ab, der manchmal auch über das Berufliche hinaus geht. Solche Dinge umtreiben mich dann schon, da kann ein Fell noch so dick sein.

Wichtig ist diesbezüglich - neben der Familie - sicher auch ein Hobby, bei dem man abschalten kann...

Heckmann:

Richtig. Das ist bei mir ganz klar der Sport. Ich leite verschiedene Sportgruppen, eine Herzsportgruppe und eine Bauch-Beine-Po-Rücken-Gruppe. Natürlich habe ich dazu auch die dazugehörigen Ausbildungen. Es war mit immer wichtig, mich fortzubilden, um das, was ich mache, auch richtig zu machen. Deswegen habe ich auch letztes Jahr - nach dreijähriger Ausbildung - meinen Abschluss zur Verwaltungsfachwirtin absolviert.

Bitte vervollständigen Sie nun noch folgende Sätze: In Bezug auf die nun beginnende Baustelle wünsche ich mir …

Heckmann:

… dass die Niddaer ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen und nicht gleich loszetern, wenn Beeinträchtigungen auftreten. Das mag vielleicht etwas viel verlangt sein, aber Sie haben ja nach Wünschen gefragt…

Mein Lieblingsplatz in und um Nidda ist …

Heckmann:

… das Vogelwäldchen in Kohden.

In Nidda fehlt mir am ehestens …

Heckmann:

… ein IKEA (lacht)

Wenn ich mit einer prominenten Person in Nidda zu  Abend essen könnte, dann mit …

Heckmann:

Kann ich auch zweimal zu Abend essen? (lacht)

Gerne…

Heckmann: 

… dann mit dem Dalai Lama und dem Schauspieler Hans Sigl

Nidda macht glücklich, weil …

Heckmann:

…es in den letzten Jahren - vor allem was die Einkaufsmöglichkeiten angeht - einen tollen Aufschwung erlebt, viel Natur bietet, in der man wunderbar Sport treiben oder einfach nur die Seele baumeln lassen kann.

Interview: Martin Guth



 
 
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