Nidda baut - Eine Baustelle zeigt Gesicht: Folge 6

Michael Buhle vom Bau-Ingenieur-Büro Buhle in Nidda

 

Auch in der 6. Folge meiner Baustellen-Reportagen, treffe ich einen Mann, der von Beginn in dieses Bauvorhaben involviert ist. Darüber hinaus hat er als Ur-Niddaer nicht nur einen beruflichen, sondern auch einen privaten Blick auf die Baustelle in der Ortsdurchfahrt. Ich treffe mich mit Michael Buhle in seinem Ingenieurbüro Am Heiligen Kreuz, nur wenige Meter entfernt vom Baustellegeschehen.

>> Video-Interview

Lieber Herr Buhle. Sie sind Jahrgang 1959 und ein echter „Näirer Bub“, wie man so schön sagt. Wo hat man den kleinen Michael damals, in den Sechziger- und frühen Siebzigerjahren, für gewöhnlich angetroffen?

Michael Buhle:  

Ich bin hier ganz in der Nähe, Auf der Krötenburg, aufgewachsen, habe  mit meinen Eltern zwischenzeitlich auch mal ein paar Jahre in der Neuen Straße (über dem damaligen Reformhaus, jetzt Apotheke) gelebt, ehe wir dann in den Borsdorfer Weg gezogen sind. Heute lebe ich in Kohden. Als Kind war ich immer viel draußen unterwegs, einer unserer damaligen Treffpunkte war, wo heute das Rot-Kreuz-Gebäude steht, am Paddelteich. Da gab es eine Zeit lang ein Lager der Firma Lupp, in dem wir spielen durften. Später hatte uns die Stadt Nidda dort dann ein kleines Gerätehäuschen, nicht größer als vielleicht 6x3 Quadratmeter, als Jugendtreff-Ersatz zur Verfügung gestellt. So richtig mit Schlüsselübergabe und Eigenverantwortlichkeit. Das war schon cool. Später, als ich etwa 18 Jahre alt war, konnten wir auf dem heutigen Rathausparkplatz ein kleines Häuschen als Jugendzentrum nutzen, auch dies weitestgehend in Selbstverwaltung. Das war für die damals noch autolosen Jugendlichen ein ganz wichtiger Treffpunkt, ebenso wie unsere damalige Stammkneipe „Bender“ (zw. heute Rank und Schillereck). Alternativ ist man nach Borsdorf in die dortige Disco oder aber, wie ich persönlich am liebsten, ins „Black inn“ nach Ranstadt. Unvergessen, wie wir - so oft es  ging - sonntagmittags dort hin getrampt sind.

Wie verlief Ihre schulische Karriere? Gibt es Lehrer, an die sie sich noch gerne erinnern?

Michael Buhle:

Nach der Grundschule bin ich aufs hiesige Gymnasium und hab dort mein Abitur gemacht. Ein wirklich gutes Verhältnis hatte ich zu meinem Geschichtslehrer Reinhard Pfnorr.  Dies hat sich bis heute nicht verändert. Ähnlich verhält es sich mit Hartmut Reuter, den ich vom Handball her kannte. Naturgemäß sind nicht mehr so viele Lehrer von damals unter uns, einige kamen immer mal wieder zu unseren Jahrgangstreffen, wie z.B. der mittlerweile verstorbene Bernd Gregor.

Waren Sie damals auch in Niddaer Vereinen aktiv?

Michael Buhle:

Oh ja. Ich war und bin durch und durch Handballer, habe hier in Nidda alle Kinder- und Jugendmannschaften durchlaufen und war auch danach noch aktiv, solange es körperlich ging. Noch heute bin ich mit der HSG eng verbunden und engagiere mich im Förderverein. Wir versuchen u.a. die Heimspiele unserer Damenmannschaft, die ja derzeit in der 2. Bundesliga spielt (was für diese Region ein echtes Highlight darstellt), zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Dazu bauen wir immer ein, zwei Pavillonzelte draußen auf (im Winter beheizt) und sorgen für das leibliche und gesellige Wohl drum herum. In der Regel kommen so rund 300-400 Zuschaue pro Heimspiel, die meisten wegen des Sports, einige aber auch wegen der Geselligkeit, insofern kann der Sport auch soziale Aspekte abdecken: man trifft sich beim Handball und verbringt ein paar Stunden im netten Austausch miteinander.

Wie hat sich als Heranwachsender Ihr Berufswunsch entwickelt?

Michael Buhle:

Naja, dazu muss man wissen, dass mein Vater dieses Ingenieurbüro 1961 eröffnet hat, damals noch im Haus Auf der Krötenburg, ich war also von klein auf mit der Materie, aber auch mit den Mitarbeitern meines Vaters, eng vertraut. Mit einem von ihnen bin ich heute noch sehr freundschaftlich, aber auch beruflich eng verbunden. Es ist Herr Dickel, der 1962, direkt nach der Schule, bei meinem Vater anfing und mich sozusagen von Kindesbeinen an kennt. Noch heute arbeitet er -  auf 450-Euro-Basis - für dieses Büro, obwohl er schon 71 Jahre alt ist. In der Schule war es dann tatsächlich so, dass ich mich (ob Gene oder Prägung) eher für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer interessiert habe. Parallel dazu habe ich zu Hause im Betrieb schon als etwa 14-Jähriger hier und da ausgeholfen, z.B. Pläne abgepaust oder gefaltet. So lag es irgendwie auf der Hand, nach dem Abitur und meiner Bundeswehrzeit, ein Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Hochschule (heute Technische Universität) in Darmstadt zu absolvieren. Dort waren die Inhalte der ersten vier Semester für alle Studierenden relativ ähnlich, ehe man sich dann spezialisieren konnte. Ich habe mich für den Bereich „Siedlungswasserwirtschaft“ entschieden, wo es um Kanalisation, Wasserversorgung, Trinkwasserversorgung und hydraulische Dinge ging, aber auch um das, was man heute als „Baumanagement“ bezeichnet. Also genau der Bereich mit dem sich auch das Unternehmen meines Vaters maßgeblich beschäftigte, man spricht da zusammenfassend von „kommunalem Tiefbau“. 

In die gleiche berufliche Richtung wie der Vater zu gehen, heißt aber noch nicht zwangsläufig auch dem heimischen Betrieb zu übernehmen…

Michael Buhle:

Das stimmt. Ich hatte nach meinem Studium einen wirklich tollen Job in Darmstadt, parallel dazu lag mir ein Angebot vor, an der Uni in München weiter in Richtung Promotion zu gehen. Dadurch, dass ich aber oft in Semesterferien oder Urlaubsphasen im heimischen Betrieb präsent war, ist der Kontakt zu den Mitarbeitern nie abgerissen, so dass irgendwann die Stimmen immer lauter wurden, „nach Hause“ zu kommen und den Betrieb fortzuführen. Nach intensiven Überlegungen habe ich mich 1988 schließlich für diesen Weg entschlossen. Ich war zunächst zweieinhalb Jahre Angestellter meines Vaters, 1991 habe ich dann das Büro übernommen.

War das zu der Zeit schon hier angesiedelt?

Michael Buhle:

Ja. Nach einigen Erweiterungen am Wohnhaus im Borsdorfer Weg (die aber auch irgendwann nicht mehr ausreichten), ergab sich für meinen Vater die Gelegenheit, dieses damals leer stehende Gebäude hier zu erwerben. Natürlich ist es mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen, aber ich habe hier 400 Quadratmeter Bürofläche für meine acht Angestellten, das ist schon sehr angenehm. Zudem können hier derzeit noch alle unsere Akten lagern, von 1961 bis heute. Aber nicht mehr lange, Ende des Jahres möchte ich da mal etwas aufräumen und ausmisten…(lacht)

Sie arbeiten zum Großteil für Kommunen in der erweiterten Region. War dies schon immer so, oder gab es Zeiten, in denen das Büro auch Projekte jenseits der mittelhessischen Grenzen betreute?

Michael Buhle:

Der Schwerpunkt lag schon immer in der Region, allerdings gab es auch  Phasen, in denen wir mal außerhalb tätig waren, in Darmstadt, in Maintal, aber auch damals hin und wieder in den neuen Bundesländern. Das haben wir aber nach und nach abgebaut, weil es uns auf Dauer einfach zu viel Personal über Wochen hinweg band, was wiederum andere Bauprojekte hier vor Ort behinderte. Derzeit liegt unsere entfernteste Baustelle in Wöllstadt, das sind gerade mal 35 Minuten von hier. Kurze Wege haben viele Vorteile, für uns, aber auch den Kunden, wir können so immer relativ schnell vor Ort sein, Dinge besprechen und ggf. Entscheidungen treffen. Wenn ich zu einem Termin und morgens erst mal von hier nach Halle an der Saale fahren muss, ist das für beide Seiten suboptimal.  Klar ist auch, dass man sich mit einem Bauprojekt in der Region naturgemäß auch viel mehr identifiziert. Grundsätzlich haben wir, wie fast alle in unserer Branche, Höhen und Tiefen durchgemacht, derzeit boomt die Baubranche aber wie nie, insofern sind auch wir mehr als ausgelastet.

Ist kommunaler Tiefbau nicht doch auch ein stückweit undankbar, denn der Bürger sieht ja am Ende nichts von dem, was Sie mit viel Know-How in Stand gesetzt oder neu gebaut haben?

Michale Buhle:

Das stimmt. Man nimmt und nur wahr, wenn wir am Bauen sind und Dreck produzieren. Ist überall wieder der Deckel drauf, sieht man nichts mehr davon. Es gibt aber auch ein paar Projekte, die für alle sichtbar und wahrnehmbar sind, zum Beispiel die Kreisverkehre hier in Nidda. Die  stammen alle aus unserer Feder, die haben wir mit viel Engagement nicht nur geplant, sondern zum Teil auch heftig dafür gekämpft, dass sie von Wiesbaden überhaupt genehmigt werden, weil dabei denkmalgeschützte Objekte betroffen waren. In diesen Fällen ging es darum, bauliche Sonderlösungen zu finden, was uns auch - so denke ich - ganz gut gelungen ist.

Was meinen Sie mit „baulichen Sonderlösungen“?

Michael Buhle:

Naja, vor dem Denkmal geschützten Alten Gymnasium zum Beispiel steht seit Jahr und Tag eine Mauer. Die wäre an dieser Position nicht mit dem Kreisel zu vereinbaren gewesen. Also haben wir um die Erlaubnis gebeten, diese Mauer zu versetzen. Wir haben zunächst alle Steine durchnummeriert, dann abgetragen und schließlich - um eineinhalb Meter nach hinten versetzt - Stein für Stein wieder aufgebaut. Ich bin mir sicher, viele Niddaer haben das damals überhaupt nicht mitbekommen oder bis heute nicht gemerkt. Somit war aber genug Platz für den Kreisel.

Kommen wir nun ganz konkret auf die Baustelle in Nidda zu sprechen. Seit wann sind Sie dort mit Ihrem Büro involviert?

Michael Buhle:

Wir hatten mit unseren eigenen Leuten schon vor etlichen Jahren mal für alle Niddaer Stadtteile sogenannte „Vorentwürfe“ des Abwasserkanalsystems angefertigt, also den Bestand aufgenommen und berechnet, wo und wann in Zukunft Instandsetzungsmaßnahmen anfallen könnten. Es ist also nicht nur sprichwörtlich so, dass wir jeden Kanaldeckel in Nidda und den Ortsteilen persönlich kennen und es dazu bei uns nicht nur einen Datensatz, sondern natürlich auch personelles Know-How dazu gibt. Und da ja Ingenieurleistungen einer Gebührenordnung unterliegen, ist es naheliegend, dann auf den Anbieter zurückzugreifen, der sich vor Ort am besten auskennt. So lag es auf der Hand, dass wir auch bei diesem aktuellen  Projekt schon ganz früh mit einbezogen wurden, zumal wir schon seit Jahren auch das Wasserversorgungssystem in Nidda bereuen. Das ist in Nidda recht komplex, aber auch diese Daten liegen jederzeit griffbereit bei mir auf dem Rechner vor. Wenn also auch mal irgendein Feuerwehmann schnell wissen muss, wie viel Wasser aus welchem Hydrant kommen kann, kann ich ihm umgehend diese Info geben. Was noch für uns spricht, ist sicher die Tatsache, dass wir fast unmittelbar an der Baustelle ansässig sind. Mein langjähriger Mitarbeiter, Herr Dickel, wohnt sogar direkt am Ort des Geschehens in der Schillerstraße. Man kennt sich, schätzt sich und kann aufgrund kurzer Wege flexibel agieren.

Wie ging es nach der von Ihrem Büro schon im Vorfeld geleisteten Bestandsaufnahme weiter?

Michael Buhle:

Es folgte eine sogenannte Vor- und Entwurfsplanung, bei der wir dann auf dem Papier konkretisierten, welche Maßnahmen wir uns vorstellen. Danach wurden seitens der  Auftraggeber (also in dem Fall der Stadt, der Stadtwerke und des ZOV) unsere Vorschläge  besprochen und diskutiert, ehe es dann in die Detailplanung ging. Dafür haben wir alles noch konkreter und wirklich Zentimeter genau erneut aufs Papier gebracht. Aufgrund eines sogenannten „Leistungsverzeichnisses“ erfolgte dann die von uns betreute Ausschreibung. Wir werteten die Angebote aus und unterbreiteten dann dem Auftraggeber einen Vergabevorschlag, der in diesem Fall die Firma Caspar war, die ja dann auch beauftragt wurde. Im Anschluss daran begann die Phase des Baustellenmanagements, wir mussten also viele logistische Dinge bedenken und planen, z.B. wie Zufahrten, Containerstellplätze oder aber auch Lagermöglichkeiten für Geräte, Fahrzeuge und Baumaterial. All das ist unmittelbar in einem Ortskern nicht ganz so einfach, zumal wir alle stets darauf achten wollten, möglichst wenig zusätzliche Belastungen für den Bürger zu produzieren, aber eben auch den für die anliegenden Geschäfte so wichtigen Anlieferverkehr einigermaßen aufrechtzuerhalten. Ansonsten achten wir - stets im Austausch mit allen Beteiligten - darauf, dass das, was wir akribisch geplant haben, auch so umgesetzt wird.

Was antworten Sie Niddaer Bürgern oder Anliegern, die womöglich fragen, ob denn das alles in diesem großen Stil hätte sein müssen, weil ja eigentlich alles noch funktionierte?

Michael Buhle:

Ich weise u.a. darauf hin, dass die Vorabuntersuchungen viele kleine undichte Stellen im Kanalsystem ans Tageslicht gebracht haben, durch die ca. ein Liter Wasser pro Sekunde einfach so verloren gehen. Das ist sind übers Jahr weit über 30.000 Kubikmeter Verlust, also über 30 Millionen Liter. Da ist es mehr als sinnvoll, bei einer ohnehin anstehenden Baumaßnahme (Ausgangspunkt war ja eine neue Fahrbahndecke von Hessen mobil) das Kanalsystem gleich mitzumachen und von unten nach oben instand zu setzen oder neu zu bauen.

Ist die aktuelle Baumaßname in Nidda auch für Sie bzw. ihr Büro  ein außergewöhnliches Projekt?

Michael Buhle:

Was die Dauer und die damit verbundenen Auswirkungen für die Anlieger angeht,  ja,  auf jeden Fall. Es ist für eine Stadt schon einschneidend, wenn eine so wichtige Hauptverkehrsader über Monate hinweg lahmgelegt wird. Insofern war es für uns im Vorfeld auch wichtig anzuregen, die Baumaßnahmen in einzelne Anschnitte einzuteilen und dadurch immer wieder neue Verkehrsmöglichkeiten und Lösungen zu finden, um die totale Komplettsperrung über den gesamten Zeitraum zu vermeiden. Dazu waren Herr Dickel und ich von Beginn an bei allen Planungssitzungen anwesend, mal zu zweit, mal einer von uns.

Wie wichtig war es, dass die Baustelle von Ende November bis Anfang Januar ruhte?

Michael Buhle:

Für die vielen anliegenden Geschäftstreibenden war dies immens wichtig. Es war schon im Vorfeld angedacht, dass - wenn bis dahin alles ohne Komplikationen verlaufen ist - die Baustelle ab dem Beginn des „Weihnachtsgeschäfts“ pausiert, um dem ohnehin schon leidtragenden anliegenden Gewerbetreibenden zumindest nicht auch noch das wichtige Weihnachtsgeschäft kaputt zu machen. Ich kenne viele der Geschäftsleute persönlich sehr gut. Natürlich macht man sich im Vorfeld Sorgen, ob die alle bei solchen massiven Beeinträchtigung wirtschaftlich über die Runden kommen. Insofern ist eine solche Entscheidung absolut zu begrüßen.

Bitte vervollständigen Sie noch folgende Sätze. Mein Lieblingsplatz in und um Nidda ist…

Michael Buhle:

…der Marktplatz, aber auch bei meinem Lieblingsitaliener in Kohden. Natürlich aber auch die Sporthalle bei Heimspielen der HSG.

Für Nidda wünsche ich mir …

Michael Buhle:

… dass das Restaurant- und Kneipenleben vom Angebot her wieder etwas vielfältiger wird.

Nidda macht glücklich weil…

Michael Buhle:

…man sich kennt, miteinander reden kann und zusammenhält, was man letztendlich auch am „Bewältigen“ dieser Baumaßnahme sieht mit all seinen Begleitaktionen wie z.B. den „Pink Fridays“.

 

 

 


 
 
Adresse Rathaus

Stadtverwaltung Nidda
Wilhelm-Eckhardt-Platz
63667 Nidda
Tel.: 0 60 43/80 06-0
E-Mail: info(at)nidda.de
Kontaktformular
Impressum
Datenschutz
Leistungen A-Z

 

Um unsere Wesite für Sie optimal zu gestalten verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung
ok