Energetische Sanierung von Baudenkmälern geht nicht, oder doch?

Dieser Frage stellten sich auch die Zuhörer des Informationsabends zur Sanierung alter Gebäude in der letzten Maiwoche in Ulfa

 

Der Aufklärung widmeten sich zwei langjährige Fachleute. Zunächst klärte Bauingenieur Uli Thümmler vom Ingenieurbüro für Historische Baukonstruktion aus Hünfeld über die bauphysikalischen Grundlagen und Methoden der energetischen Sanierung auf. Danach berichtete Wolfgang Wagner als Praktiker bei Fachwerksanierungen und Geschäftsführer des Ingenieurbüros PlanWerk aus Nidda von seinen Erfahrungen.

Wolfgang Wagner gibt in Nachgang zum Vortrag noch Hinweise für Sanierungsvorhaben

Thümmler beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit historischen Gebäuden und hat während des viel Fachwissen entwickelt. Dieses ist unter anderem auch auf seine Tätigkeiten bei der Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege GmbH (WTA) zurückzuführen. Die WTA bietet Bauherren Merkblätter für die Sanierung historischer Bauwerke, welche vor allem als Ergänzung zu den gängigen DIN-Normen für heutige Gebäude wichtig sind. „Denn bei Sanierungsmaßnahmen an historischen Gebäuden kann man leicht den Fehler machen, Bauteile durch den Einsatz heute gängiger Materialien zu dicht zu machen“, erklärt Thümmler. Dadurch erleiden oft die wesentlichen Bauteile eines Fachwerkhauses Schäden - nämlich das Holzständerwerk. „Das Holzständerwerk ist das Traggerüst eines Fachwerkhauses, die Ausfachungen sind nur Füllung. Von daher sollte der Holzkonstruktion bei Sanierungen größte Aufmerksamkeit gelten.“ mahnt Thümmler. Bereits vor der Sanierung empfiehlt sich die Begutachtung des gesamten Gebäudes durch einen Fachmann. So können auch noch verdeckte Schäden durch vorhergehende Instandhaltungsmaßnahmen entdeckt und mit den neuen Maßnahmen behoben werden. Auch für die energetische Sanierung ist dieser Schritt wichtig, da durch die Änderung des Wandaufbaues mit der Dämmung verdeckte Schäden verstärkt werden können oder danach sogar erst richtig hervortreten. 

Für die Dämmung von Fachwerkgebäuden gibt es grundsätzlich zwei Varianten: die einfache und bauphysikalisch optimale Außendämmung sowie die fachlich anspruchsvolle Innendämmung. Letztere ist oft die einzige Möglichkeit einer energetischen Verbesserung von denkmalgeschützten Gebäuden mit prägender Außenfassade. „Auch wenn viele Angst vor Baudenkmälern haben“, gibt Thümmler zu bedenken, “sind es doch eben diese Gebäude, die den Charakter eines Ortes prägen und die wir als malerisch, romantisch, verträumt oder sogar märchenhaft bezeichnen.“ Der Denkmalschutz sieht die herausragende handwerkliche Leistung beim Bau dieser Gebäude und setzt sich mit dem Schutz für den Erhalt der Baukunst ein.

Egal ob Außen- oder Innendämmung bei Fachwerk eingesetzt wird – beides ist machbar und kann mit weiteren Maßnahmen immerhin bis zu 60 % des Energieverbrauchs einsparen. „Man erreicht zwar nie den Verbrauchswert eines Neubaus“, erläutert Thümmler, „sollte dies aber auch nicht verlangen.“ Dafür hat ein altes Gebäude eine Geschichte und einen ganz besonderen Charakter. Dieser wird durch eine gute Sanierung sogar noch gestärkt. Davon berichtet der zweite Referent des Abends.

Vor über 30 Jahren wurde Wolfgang Wagner ungeplant zum Besitzer eines alten, ziemlich sanierungsbedürftigen Gebäudes in Hungen. Wagner berichtet, wie er sich mit 19 Jahren zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigten musste. Viel neues Wissen von Freunden und Bekannten über alte Techniken sowie noch mehr eigene Arbeitszeit machten die Sanierung trotz kleinen Geldbeutels zum Erfolg. „Immerhin 10 Jahre haben wir danach darin gewohnt“, berichtet Wagner stolz. „Das hatte man uns jungen Leuten damals nicht zugetraut.“ 

Vor einigen Jahren bekam Wagner die Möglichkeit auch den benachbarten Gebäudeteil zu sanieren. Für die vorbildliche Sanierung und den teilweisen originalen Rückbau modernerer Elemente bekam er 2014 sogar den Denkmalschutzpreis des Landes Hessen verliehen. Auch sein Wohnsitz mit Büroräumen in Nidda gehört zu den denkmalgeschützten Gebäuden und wurde mit viel Liebe zum Detail saniert. Und dies waren nicht die einzigen Gebäude, die unter seiner Mithilfe durch eine Sanierung verjüngt worden sind. „Wir können nur hoffen, dass sich andere hieran ein Beispiel nehmen und unserer Orte durch die Sanierung dieser alten Schätze wieder mit Leben füllen“ führt Birgit Herbst, die Klimaschutzbeauftragte der Stadt Nidda aus.

Sowohl Wagner als auch Thümmler sind sich einig: „Die fachgerechte Sanierung eines alten, sogar denkmalgeschützten Gebäudes ist möglich und wirtschaftlich tragbar.“ Hierbei sind die eingehende Begutachtung des Gebäudes sowie vorhandener Schäden, eine gute Vorplanung der notwendigen Maßnahmen, der Einsatz geeigneter Materialien und vor allem große Aufmerksamkeit beim Holzschutz wichtig. Neben den beiden Referenten gibt es mit den Altbaulotsen und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Wetteraukreises weitere kompetente Ansprechpartner für Sanierungsinteressenten. Die Kontakte hierzu sind unter www.nidda.de/zukunft im Internet zu finden oder können bei der Stadt Nidda (Frau Herbst) angefragt werden.


 
 
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