Nidda Marktplatz

LGS

Bereicherung für das Heilbad

Wer Bad Salzhausen in den vergangenen Monaten als verschlafenen Kurort betitelt hat, sollte sich nun korrigieren. Am vergangenen Sonntag zeigte sich ein Bild, das die Verantwortlichen der Stadt Nidda und auch der Landesgartenschaugesellschaft (LGS gGmbH) wohl in Entzücken versetzt hat. Denn so viele Besucher hat das kleinste Heilbad Hessens lange nicht erlebt. Das lag gleich an zwei Veranstaltungen: Die LGS gGmbH hatte zur Baustellenführung eingeladen, rund 220 Interessierte folgten der Einladung. Gleichzeitig lockte der Bauernmarkt rund um das Herbarium Boutiquehotel Kurhaus Bad Salzhausen.

In zwei Gruppen bewegten sich die Teilnehmer der Baustellenführung durch den Unteren Kurpark. Viele waren bereits im Frühjahr dabei gewesen. Der Baufortschritt ist heute deutlich sichtbar. Zahlreiche große Baumaßnahmen sind weit fortgeschritten oder nahezu fertig. In den kommenden Monaten rücken zunehmend die temporären Anlagen in den Mittelpunkt.

Foto: Gruppe an der Schwefelquelle
Die Teilnehmer stehen an der sanierten Schwefelquelle, wo auch das Staudenband langläuft. 

Gärtnerischer Schwerpunkt

Der Untere Kurpark wird eines der beiden eintrittspflichtigen Gelände der Landesgartenschau Oberhessen 2027 sein. Gartenfreunde finden hier unter anderem zwölf wechselnde Blumenschauen, Schaugärten, Wechselflor, Gärtnermarkt, Staudenband, Gärtnertreff, Friedhofsbeiträge und den Pavillon der Region. Es sind mehr als 25 Aussteller sowie Beiträge aus Landwirtschaft, Forst und Kirche. Die große Veranstaltungsbühne wird Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen.

Marcel Walther, Leiter des Technischen Rathauses Nidda, berichtete von den Renovierungsarbeiten an der historischen Trinkkuranlage. Das Kerngebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert und diente ursprünglich der Soleaufbereitung.

Foto: Marcel Walther, Martin Guth, Florian Herrmann
Marcel Walther und Martin Guth von der Stadt Nidda und Florian Herrmann, Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft (v.l.) leiten die eine von zwei Gruppen

Trinkkuranlage mit Überraschungen

Wie bei vielen alten Gebäuden gab es einige Überraschungen: ein bröseliges Fundament, einen schiefen Wasserturm, von der Sole geschädigten Balken oder eine Kuppel ohne ausreichende Halterung. Viele Maßnahmen im Unteren Kurpark werden über das Programm „Lebendige Zentren“ gefördert. Für die Stadt bedeutet dies eine Zweidrittelförderung und das Glück, diese wertvollen Gebäude sanieren zu können.

Zur Landesgartenschau wird die Trinkkuranlage neu erstrahlen. „Es ist ein ganz besonderer Ort“, sagte Geschäftsführer Florian Herrmann. Blumenschauen seien in der Vergangenheit häufig in gemieteten Zeltbauten präsentiert worden. „Das historische Ensemble bringt viel mehr Charme und Qualität.“ Meisterflorist Christopher Ernst wird hier im kommenden Jahr zwölf wechselnde Blumenschauen inszenieren. Auch danach soll das Gebäude weiter genutzt werden. Martin Guth, Verantwortlicher der Stadt für Stadtmarketing, Kur- und Touristik, nannte unter anderem Kurkonzerte und Hochzeiten. Egal, die wievielte es denn sein werde.

Stauden trotzen der Trockenheit

Weiter ging es zur sanierten Schwefelquelle. Der Außenbereich wurde neu geordnet, Wegeachsen wurden angelegt und ein Weg entsiegelt. Vor dem Staudenbeet, das sich entlang des neuen barrierefreien Weges in Richtung Landgrafenteich schlängelt, blieb die Gruppe stehen. Die meisten Stauden sind bereits im Boden und haben die Trockenheit gut überstanden. Die Pflanzen wurden so ausgewählt, dass sie mit wenig Wasser auskommen. „Man bekommt hier schon ein Gefühl dafür, wie es im nächsten Jahr aussehen wird, wenn die Stauden ihren Turbo zünden“, sagte Florian Herrmann. Für den Kurpark sei dieser Farbtupfer ein Gewinn – nicht zuletzt für Biene und andere Insekten. Hinter dem Staudenbeet in Richtung Waldrand wird die Lichtkirche als imposantes Gebäude aufgestellt.

Über den Landgrafenteich, der in den vergangenen Monaten aufwendig saniert wurde und voraussichtlich in vier Wochen wieder mit Wasser befüllt wird, führte der Rundgang zum neuen Spielplatz. Dieser erstreckt sich über zwei Ebenen und reicht bis zwischen die Baumwipfel. Anschließend staunten die Teilnehmer über den neuen Kneipp-Adventure-Golf-Park auf dem Gelände des ehemaligen Minigolfplatzes. Etliche Bahnen lassen bereits ihre kreative Gestaltung erkennen.

Rund 1.500 Veranstaltungen, zwölf Blumenschauen und zahlreiche weitere Attraktionen erwarten die Gäste während der 165 Tage Landesgartenschau. „Wer in Oberhessen wohnt, sollte sich die Vorteile einer Dauerkarte nicht entgehen lassen“, riet Herrmann. Am 18. Oktober startet eine Vorverkaufsphase für vergünstigte Tickets bis zum Jahresende. Gleichzeitig lädt die Landesgartenschaugesellschaft zum Baustellenfest in den Unteren Kurpark ein. Mit Musik, Talkrunden, Infoständen, Essen, Kinderaktionen und weiteren Baustellenführungen können sich die Besucher dort einen Vorgeschmack auf 2027 holen.


Stimmen:

Foto von Karl-Heinz Schmidt

Karl-Heinz Schmidt aus Nidda hat jahrelang eine Kleintier- und Pferdepraxis in Nidda betrieben. Der Pensionär hat zahlreiche Anekdoten in petto. Gerne erzählt er die Geschichte einer Hamsterbesitzerin. Voller Begeisterung habe sie berichtet, dass sie mit Bädern in der Schwefelquelle im Kurpark das Fell ihres Lieblings verbessert habe. Schmidt ist agil und freut sich besonders über den neuen Spielplatz am Rande des Kurparks. „Er ist so konzipiert, dass auch Erwachsene ihrem Spieltrieb nachgehen können.“

Foto von Karin Weiser

Karin Weiser aus Ober-Mockstadt kommt öfter in den Kurpark und treibt regelmäßig am Gradierwerk Sport mit ihrer Osteoporosegruppe. „Bad Salzhausen wird durch die Landesgartenschau aufgewertet“,  lautet ihr Urteil. Sie hat fünf Enkel und freut sich darauf, mit ihnen den Kurpark zu nutzen. Doch etwas vermisst sie sehr: die Therme.

Foto von Stefanie Dilling

Stefanie Dilling kommt aus Borsdorf und sah den interkommunalen Charakter der Landesgartenschau zunächst sehr kritisch. „Nun bin ich angenehm überrascht. Der Kneipp-Adventure-Golfplatz ist ein Traum, den Landgrafenteich fand ich jetzt nicht so spektakulär. Er hatte mir auch in seinem verwilderten Zustand sehr gut gefallen. Meine Dauerkarte habe ich schon lange. Ich freu mich schon jetzt ein Loch in den Bauch auf das nächste Jahr.“


Eine Pressemitteilung der Landesgartenschau Oberhessen 2027 gGmbH