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Oberhessen charmant vermitteln 

Mit dem Rücken zur Gruppe stehen? Für Beatrix Bauer geht das gar nicht. Wer als Gästeführerin eine Gruppe auf der Landesgartenschau Oberhessen begleitet, sollte geschult sein. Schließlich erwarten die Besucher Freundlichkeit und Professionalität. Die Ausbildung der künftigen Gästeführer ist daher fundiert. Rund 90 Interessierte waren zum Info-Abend ins fast vollständig gefüllte Dorfgemeinschaftshaus in Bergheim gekommen. Die Aufbruchstimmung war spürbar: Oberhessen rückt zusammen – und findet offenbar Menschen, die anderen die Landesgartenschau begeistert näherbringen werden.

Foto vom gefüllten Saal in Bergheim
Das Dorfgemeinschaftshaus in Bergheim ist gut gefüllt

Beatrix Bauer koordiniert die Ausbildung, Ulrike Hansen-Röper wird als gärtnerische Leiterin der Landesgartenschau eine der häufigsten Referentinnen sein. Geschäftsführer Florian Herrmann machte zunächst deutlich, welche Besonderheit die Landesgartenschau Oberhessen mit sich bringt. Elf Kommunen, zwei Landkreise, zwei eintrittspflichtige Ausstellungsgelände in Bad Salzhausen und Gedern sowie der neue Stadtpark in Büdingen sorgen für Vielfalt, aber auch für logistische Herausforderungen. Gleichzeitig sieht Herrmann darin eine große Chance. Es sind nicht mehr nur die klassischen Gartenschaubesucher, die sich für Floristik, Gartenkultur und Pflanzen interessieren. Die Schauen sind durch ihre Angebote breiter aufgestellt. „Die Gästeführer vermitteln nicht nur die Landesgartenschau, sondern auch die Region Oberhessen“, machte Herrmann deutlich.

Gastgeber für die Region 

Wie vielfältig diese Aufgabe wird, zeigte Hansen-Röper bei einem ersten imaginären Streifzug durch die beiden Parks. In Bad Salzhausen werden die einzelnen Bereiche unter dem Leitmotiv Wasser gegliedert. Begriffe wie Nektarquelle, Geschichtsquelle und Naturquelle sollen den Gästen Orientierung geben. In Gedern bestimmt dagegen der Charakter des historischen Landschaftsparks das Bild. Stauden und Blühflächen erhalten stilgerechte Namen wie „Schlossglanz“ oder „Blütentanz“. Botanische Vorkenntnisse müssen die Bewerber nicht mitbringen. Entscheidend ist etwas anderes. „Ihr seid Gastgeber für die Region, eure Heimat und die Landesgartenschau“, sagte Hansen-Röper. Beatrix Bauer ergänzte: „Die Menschen kommen zu uns und wollen einen schönen Tag haben.“

Die Ausbildung umfasst rund 80 Unterrichtseinheiten, also etwa 60 Stunden. Es handelt sich dabei nicht um Pflichttermine. Doch je häufiger jemand teilnimmt, desto sicherer wird er später vor einer Gruppe stehen. Es werden nicht nur Fakten über die Landesgartenschau und die Region vermittelt, sondern zum Beispiel auch das Reden vor einer Gruppe, der Umgang mit besonderen Situationen und vieles mehr. Die Theorieabende finden donnerstags in verschiedenen Kommunen statt, die Praxistermine samstags in den Parks in Bad Salzhausen oder Gedern.

Erst lauschen, dann selbst reden

Zunächst begleiten die angehenden Gästeführer mehrere Führungen. Ab dem neuen Jahr führen sie selbst und bekommen anschließend eine Rückmeldung. Im April stehen eine theoretische und eine praktische Prüfung an. Mehr als zwei Führungen pro Tag hält Beatrix Bauer für kaum machbar. Besonders häufig werden erfahrungsgemäß Rundgänge für Senioren gebucht. Es gibt zudem Fachführungen, Touren für Kinder, After-Work-Rundgänge und viele mehr.

Foto Beatrix Bauer
Beatrix Bauer von der Landesgartenschaugesellschaft wird die Ausbildung koordinieren

Zahlreiche Fragen beantwortete Beatrix Bauer. Die Führungen starten immer hinter dem offiziellen Eingang. Die Gästeführer werden ausgestattet, sodass sie als solche erkennbar sind. Wer wann kann, sollte mindestens vier Wochen vorher feststehen. Die Gästeführer werden vorher informiert, welche Gruppen sich angemeldet haben. Die Gruppengröße beträgt maximal 25 Personen. Eine Ersthelfer-Ausbildung ist nicht zwingend notwendig, da genügend geschultes Personal auf der Fläche ist. Die Gästeführer erhalten für ihren Einsatz eine Aufwandsentschädigung sowie eine Dauerkarte.

Mit den Aufgaben wachsen

Wie sehr eine solche Aufgabe Menschen verändern kann, zeigte Sandra Laurenz aus Freiensteinau. Sie war 2023 bereits Gästeführerin bei der Landesgartenschau in Fulda. Anfangs habe sie sich kaum getraut, vor vielen Menschen zu sprechen. „Hinterher war das kein Problem mehr. Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Ihr Fazit: „Das war mein Jahr.“

Foto von Laurenz unf Fehl
Sandra Laurenz und Burkard Fehl schildern ihre positiven Erfahrungen als Gästeführer auf der Landesgartenschau Fulda

Auch Burkhard Fehl aus Freiensteinau war damals dabei. Beide wollen 2027 wieder mitmachen. „Wir zwei haben die Chance, ein zweites Mal auf einer Landesgartenschau mitzuwirken“, sagte Fehl. Laurenz lieferte dazu gleich das passende Bild: Sie zog ihr blaues Oberteil aus – darunter kam bereits das grüne LGS-Shirt zum Vorschein.

Wie werde ich Gästeführer? 
Bewerben kann sich jeder, der während der Landesgartenschau verfügbar ist. Interessierte können sich bis zum 27. September über die Internetseite der Landesgartenschau registrieren. Dort können sie unter anderem ihre möglichen Zeiten eintragen. Wer Fremdsprachen oder Mundart, also Owwerhessisch, kann, sollte dies in der Bewerbung auf jeden Fall vermerken. Bis zum 1. Oktober erhalten die Bewerber Bescheid, ob sie an der Ausbildung teilnehmen können. Die Ausbildung startet am 15. Oktober 2026.


Eine Pressemitteilung der Landesgartenschau Oberhessen 2027 gGmbH