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Literaturgärten inszenieren Oberhessen

Kapitel eins: Ein Jagdmesser wird in den Bildschirm gehalten. Sie habe es aus einem See in Hirzenhain geangelt, erzählt die junge Frau aus Nidda dem Moderator von „Bares für Rares“. Könnte dieser Fund vielleicht mit dem mysteriösen Todesfall aus den Neunzigern zu tun haben? Es ist die Einleitung eines Kurzkrimis. Der ortskundige Oberhesse kennt die Kulisse– doch diese Handlung ist neu. Es ist einer von 46 Programmpunkten der beiden Veranstaltungsreihen „Literaturgärten“ während der Landesgartenschau Oberhessen 2027, die jeden Donnerstag in Bad Salzhausen und Gedern inszeniert werden.

Autoren mit Bezug zur Region

Diese urkomische Handlung, die zwischen Limeshain und Schotten, Echzell, Stornfels oder Hirzenhain spielt, stammt von einem Autorenkollektiv der Region, das hier lebt und schreibt. Das gilt auch für die anderen Schriftstellerinnen und Schriftsteller der Literaturgärten, die in den Bereichen Belletristik, Regionalgeschichte, Unterhaltungsliteratur und Lyrik verortet sind. Sie alle lassen ab Mai ‘27 Oberhessen literarisch in Erscheinung treten.

Foto André Hülsbömer
Andrè Hülsbömer ist der Literaturbeauftragte der Landesgartenschau Oberhessen

Initiiert wurde diese Zusammenführung der oberhessischen Autorinnen und Autoren im Rahmen der Landesgartenschau Oberhessen. Zuständig ist der Literaturbeauftragte der Landesgartenschau, Dr. André Hülsbömer. 

Der in Dauernheim verwurzelte Familienvater sucht zwischen dem Auenlandhof, Felsenkellern, Weinbergen und Geschichtsblättern jene Inspiration, die das Dorfleben so bietet und spannend macht. Seit Mitte der Neunzigerjahre lebt er mit seiner Familie in der Region, war zuletzt Ortsvorsteher, ist mittlerweile Gastronom, Winzer und Vorsitzender des Förderkreises Oberhessen.

Hülsbömer ist von freundlicher, aufgeschlossener Natur. „Mal schauen, was kommt“, vermittelt sein Auftreten. Zwischendrin taucht sein Blick immer wieder in die Ferne und – diese Vermutung liegt nahe – in historische Szenen ein, die er in vielen Fällen bis ins kleinste Detail schildern könnte wie in seinem eigenen Romandebüt „Winterling“, das in Oberhessen nach dem Dreißigjährigen Krieg angesiedelt ist. „Ob alles gut wird?“

In dem von fünf bekannten Autoren äußerst charmant und mit viel Lokalkolorit geschriebenen Kurzkrimi gibt es ein glückliches Ende. Schließlich wird der Cold Case, jener heimtückische Mord, im Jahr der Landesgartenschau gelöst – endlich. Ein Mordsspaß sozusagen.

Für Hülsbömer ist der „fünfstimmige“ Krimi das Highlight der Literaturgärten. Mit dabei sind HR-Radio-Moderator Tim Frühling, der Kabarettist, Romanautor und Niddaer Kulturmanager Martin Guth, Bestsellerautor Daniel Holbe und FFH-Radiomoderatorin Uta-Rosa Schmidt, die in ihrem ersten Krimi, der im Mai erscheint, endlich die vielfach gewünschte Leiche im Dauernheimer Felsenkeller liefert. Sich selbst lässt Hülsbömer, der ehemalige Finanzredakteur, beinahe außen vor.

Alle Autorinnen und Autoren dieser Veranstaltungsreihe haben unterschiedliche literarische Profile, aber einen klaren Bezug zu Oberhessen – sei es durch ihren Wohnort, ihre Herkunft oder die Schauplätze ihrer Werke. Die international bekannteste Stimme ist Anne Weber, die in Büdingen Abitur gemacht hat und u.a. mit dem hochdotierten Josef-Breitbach-Preis ausgezeichnet wurde. Längst lebt und arbeitet sie in Paris. „Ihre Verse sind wie Gesang“, schwärmt Hülsbömer.

Unterschiedliche Genres

Daniel Holbe, Spiegel-Bestsellerautor aus Schotten, steht für moderne Regionalkrimis. Diese spiegeln aktuelle Themen wie Wasserknappheit im Vogelsberg. Die Frankfurterin Britta Boerdner knüpft mit ihrem Roman an reale Schauplätze wie Ranstadt an. Der Ranstädter Andreas Matlé nähert sich Oberhessen aus der Perspektive des Sachbuchautors und erzählt deutsche Geschichte anhand von Alltagsgegenständen. Astrid Hohlbein bringt als Germanistin und Autorin biografischer Stoffe eine literarisch-historische Perspektive ein und arbeitet von Ortenberg aus an Themen der Kultur- und Frauengeschichte. Marion Uhlmann aus Büdingen erweitert das Spektrum um Fantasy- und Romantasy-Stoffe. Auch Silke „Sheyna“ Jordan aus Nidda-Stornfels setzt mit ihren Romanreihen auf historische und fantastische Elemente. Bekannte Orts-Historiker, Mundartspezialistinnen und Archäologen ergänzen das Repertoire.

Dass über 20 Autoren und Künstler zusammengekommen sind, ist das Ergebnis intensiver Recherche. Deren Entdeckung sei beglückend und überraschend zugleich gewesen, erzählt Hülsbömer. Deren Werke würden ihre Zuhörer nicht nur in die Region mitnehmen, sondern führten auch durch verschiedene Epochen und vermittelten eine Vielzahl historischer Hintergründe.

Info:  

Die Landesgartenschau Oberhessen steht unter dem Motto „Wir sind Garten“. Die Region verwandelt sich vom 22. April bis zum 3. Oktober 2027 zu einer Bühne für über 1500 bis 2000 Veranstaltungen, kreative Themengärten, farbenprächtige Blumenschauen und eindrucksvolle Blühinseln. Ob im bunten Klassenzimmer, bei Spiel- und Sportaktionen oder beim Flanieren durch die vielfältige Gartenkultur – Gäste jeden Alters dürfen sich auf eine bunte Mischung aus Natur, Bildung, Unterhaltung und Gemeinschaft freuen.

Eine Pressemitteilung der Landesgartenschau Oberhessen 2027 gGmbH