XI - Nachhaltige Mobilität
Nachhaltigkeit in der Mobilität
Nachhaltig mobil in Nidda: gemeinsam schneller ans Ziel
Mobilität entscheidet täglich über Lebensqualität – über saubere Luft, Ruhe, Sicherheit, Kosten und Teilhabe. Gleichzeitig müssen Wege zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt oder zum Sport verlässlich, bezahlbar und für alle gut erreichbar bleiben – in der Kernstadt ebenso wie in den Ortsteilen. „Nachhaltig mobil“ heißt daher nicht weniger unterwegs sein, sondern intelligenter: Wege effizienter organisieren, auf passende Verkehrsmittel setzen und das, was motorisiert bleiben muss, ebenfalls deutlich effizienter gestalten. So entstehen weniger Stau und Lärm, bessere Luft, mehr Platz für Menschen – und langfristig sinkende Mobilitätskosten für private Haushalte. Deutschlandweit verursacht der Verkehr rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen – ein starker Hebel für lokalen Klimaschutz.

Was heißt „nachhaltige Mobilität“ konkret?
Das Umweltbundesamt beschreibt vier miteinander verzahnte Handlungsfelder, die Kommunen und Bürger*innen in die Praxis übersetzen können: Verkehr vermeiden, auf umweltverträgliche Verkehrsträger verlagern, Energieeffizienz steigern und erneuerbare, treibhausgasneutrale Antriebe/Kraftstoffe nutzen. Besonders wirksam ist, wenn wir die Energienachfrage insgesamt senken – also zuerst Wege kürzen und gut verlagern, dann Technik optimieren. Deutschland strebt rechtlich festgelegt an, die Emissionen im Verkehr bis 2030 auf 85 Mio. t CO₂-Äquivalente zu senken und bis 2045 treibhausgasneutral zu werden – eine Aufgabe, zu der lokale Mobilitätsangebote wesentlich beitragen.
Für den Alltag bedeutet das:
- Wege vermeiden: Erledigungen bündeln, kurze Strecken bevorzugen, Alltagsrouten effizienter legen.
- Verlagern: Mehr zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sein; Bus & Bahn dort nutzen, wo es passt; Car- & Bike-Sharing sowie Fahrgemeinschaften als Ergänzung einsetzen.
- Verbessern: Wenn motorisiert, dann möglichst effizient (kleinere Fahrzeuge, vorausschauend fahren) und elektrisch, wo sinnvoll – idealerweise mit erneuerbarem Strom.
Der Modal Split – die „Verkehrsmittel-Mischung“ einer Stadt
Der Modal Split beschreibt die Aufteilung aller Wege auf die verschiedenen Verkehrsmittel, etwa zu Fuß, Rad, Bus/Bahn oder Auto. Er kann als Anteil der Wege oder als Anteil der Personenkilometer ausgewertet werden. Das ist wichtig zu unterscheiden: Kurze Wege (z. B. zum Bäcker) zählen gleichwertig in der Wege-Statistik, schlagen aber bei Personenkilometern viel weniger zu Buche als lange Pendelstrecken.
Deutschlandweit dominiert der motorisierte Individualverkehr nach wie vor den Verkehrsaufwand (rund 75 % der Personenkilometer), während der Radverkehr zwar ungefähr 11 % der Wege, aber nur rund 3 % der Personenkilometer ausmacht. Deshalb setzen Städte, die lebenswerter werden möchten, sowohl auf mehr kurze Wege als auch auf gute Alternativen für mittlere und längere Distanzen. Zudem hat sich die Modal-Split-Verteilung über viele Jahre nur langsam verändert – ein Hinweis darauf, dass attraktive Angebote und verlässliche Qualität entscheidend sind, um Gewohnheiten wirklich zu verschieben.
Nidda ist durch seine Lage und Siedlungsstruktur sehr stark vom Individualverkehr geprägt. Daher wird der Radverkehr und die Fußgängerwege durch verschiedene Maßnahmen aus dem Klimaschutzaktionsplan 2021 verstärkt gefördert, um diese alternativen Mobilitätsformen attraktiver zu gestalten.
Warum ist der Modal Split nützlich?
Er ist die Kennzahl für kommunale Mobilität: Er zeigt, wie die Stadt als Ganzes unterwegs ist, macht Fortschritte messbar (z. B. „mehr Rad- und ÖPNV-Anteile“) und hilft, Investitionen (Radnetz, Haltestellen, Taktungen, Parkraum) zielgenau zu planen. Kommunen nutzen ihn häufig, um Etappenziele festzulegen – etwa „bis 2030: +X Prozentpunkte Rad, +Y Prozentpunkte ÖPNV“ – und können so Maßnahmenpakete priorisieren.
Was verändert Verhalten tatsächlich?
Studien zeigen: Menschen wechseln ihr Verkehrsmittel besonders dann, wenn das Angebot einfach, zuverlässig und verfügbar ist – und wenn der Einstieg niedrigschwellig gelingt. Ein aktuelles Beispiel ist das Deutschlandticket. Laut der Fraunhofer-ISI-Befragung MobilKULT (Welle 3, 2024) ist das Ticket die beliebteste verkehrspolitische Maßnahme unter den Befragten; 21 % besitzen es (Stadt 32 %, Vorstadt 18 %, Land 11 %). Bei Ticket-Nutzer*innen stieg der ÖPNV-Anteil der Wege um 9 Prozentpunkte (von 29 % auf 38 %), während Autowege um 5 Prozentpunkte zurückgingen. Gleichzeitig zeigt die Studie: Ohne verlässliche Verfügbarkeit im Umland bleibt weiteres Potenzial ungenutzt. Genau dort setzt kommunale Planung an – mit Taktverdichtungen, On-Demand-Angeboten wie beispielsweise Ruf- und Sammeltaxis, guten Umstiegsstellen und sicheren Wegen zur Haltestelle.
Was Sie heute schon verändern können
- Eine Stammstrecke pro Woche „anders“ zurücklegen – zu Fuß, per Rad, per Bus/Bahn oder als Fahrgemeinschaft.
- Erledigungen bündeln und Wege kombinieren (z. B. Bibliothek & Post auf einer Runde).
- Paketstationen / Click & Collect nutzen, um Extrawege zu vermeiden.
- Car-/Bike-Sharing ausprobieren – oft ist das eigene Auto/Rad dann seltener nötig.
Gemeinsam unterwegs für Nidda: Weniger Umwege, mehr Lebensqualität – so wird aus vielen kleinen Entscheidungen eine große Veränderung.
Weiterführendes und Quellen
- Umwelt Bundesamt (12.02.2024) Nachhaltige Mobilität.
- Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI (01.05.2024) Nachhaltige Mobilität: Wie sich Gewohnheiten ändern können.
- Thorsten Koska (17.03.2023) Nachhaltige Mobilität. Die Herausforderungen einer Verkehrswende.
- WWF (o. D.) Nachhaltig mobil im Alltag – unterwegs Ressourcen schonen.
- Neste (o. D.) Was ist nachhaltige Mobilität?.
